Max Scheler
Gesellschaft

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222000

Der Holocaust als Epochenscheide der Antisemitismusgeschichte

historische Diskontinuitäten

Herbert A. Strauss

pp. 39-56

Abstrakt

Die Frage, wie der Antisemitismus in der heutigen Bundesrepublik Deutschland historisch einzuordnen ist, steht in engem Zusammenhang mit der wissenssoziologisch geforderten Frage nach der Möglichkeit einer Antisemitismusforschung hier und heute in der Bundesrepublik. Die mörderische Vergangenheit hat weder unter Deutschen noch unter Juden, vom Dritten Reich für alle Zeiten weltgeschichtlich verklammert, Verfolgung und Holocaust so objektiviert, daß Vergangenheit und Gegenwart klar und deutlich geschieden bleiben, wie es der methodologische Kanon der Geschichtswissenschaft verlangt. Der Antisemitismusforscher arbeitet auf einem Feld von großer innen- und außenpolitischer Sensibilität. Die Traumatisierung des Bewußtseins und seiner Gefühlsgrundlagen zeigt sich gerade in der Rolle, die der Antisemitismus und seine Bekämpfung in der öffentlichen Auseinandersetzung einnehmen. Die Aufmerksamkeit ist geschärft, sie ist aber auch selektiv und verengt. Die emotionale und politische Wirkung dieser außerwissenschaftlichen Konstellation begünstigt die Erkenntnis und behindert sie zugleich (Nipperdey und Rürup 1972; Rürup 1975; Strauss 1987a; Strauss 1988).

Publication details

Published in:

Bergmann Werner, Erb Rainer (1990) Antisemitismus in der Politischen Kultur nach 1945. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Seiten: 39-56

DOI: 10.1007/978-3-322-83731-8_4

Referenz:

Strauss Herbert A. (1990) „Der Holocaust als Epochenscheide der Antisemitismusgeschichte: historische Diskontinuitäten“, In: Bergmann & R. Erb (Hrsg.), Antisemitismus in der Politischen Kultur nach 1945, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 39–56.