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Kritik (critique)
pp. 154-157
Abstrakt
Im Zentrum der Auseinandersetzung um wissenschaftliche *Refiexivität bildet seit Kants drei Kritiken der Kritikbegriff einen Gegenstand, an dem sich wissenschaftliche Ansprüche reiben, orientieren und abarbeiten. Über Kritik konstituieren sich neue *Theorien, die den Anspruch erheben, einen erweiterten Erklärungsgehalt vorzulegen. Aus diesem Blickwinkel ergibt sich ein spezifisches Fortschreiten der Wissenschaften, das von dem Theorieansatz Bourdieus selbst noch einmal epistemologisch hinterfragt wird. Durch den Rückgriff auf die französische Epistemologie verändert sich der Status der Kritik, indem sie nicht mehr als bloßes Gegeneinanderstellen verschiedener Oppositionsbeziehungen gesehen wird, sondern problemzentriert Fragestellungen generiert und entwickelt, die den Stellenwert theoriebezogener Aussagen konstituieren. Dadurch gelingt es laut Bourdieu, im wissenschaftlichen Diskurs bestehenden Entgegensetzungen wie Subjektivismus/Objektivismus, Theorie/Empirie, qualitativ/ quantitativ nicht nur zu entgehen, sondern diese unter konkreten Fragestellungen miteinander zu verbinden.
Publication details
Published in:
Fröhlich Gerhard, Rehbein Boike (2014) Bourdieu-Handbuch: Leben — Werk — Wirkung. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 154-157
DOI: 10.1007/978-3-476-01379-8_32
Referenz:
Hepp Rolf-Dieter, Sieg Alexander (2014) „Kritik (critique)“, In: G. Fröhlich & B. Rehbein (Hrsg.), Bourdieu-Handbuch, Stuttgart, Metzler, 154–157.